Donnerstag, 2. April 2009

Länderspiel: Volles Haus bei Schwimmstadion-Premiere

Weltliga: Duisburger Veranstalter mit überaus zufriedenem Fazit

Von Wolfgang Philipps und Ralf Fischbach
Die Fans kamen in Duisburg auf ihre Kosten. Foto: Duisburger Schwimmverein 98 (Homepage)

Die Fans kamen in Duisburg auf ihre Kosten. Foto: Duisburger Schwimmverein 98 (Homepage)

Duisburg. Deutschlands Männer mußten am 4. Spieltag der FINA Weltliga in Duisburg nach zwischenzeitlicher 6:5-Führung am Ende eine 6:8 (1:1, 2:2, 2:2, 1:3)-Heimniederlage gegen den WM-Dritten Spanien hinnehmen. Lokalmatador Tobias Kreuzmann (ASCD) und der zuvor beim Auswärtssieg in Rußland viermal erfolgreiche Marko Stamm (Spandau 04) kamen im Schwimmstadion vor vollem Haus auf jeweils zwei Tore, einmal trafen Vereinskamerad Moritz Oeler und Italien-Profi Heiko Nossek (RN Sori).

Auch Teammanager Michael Zellmer war vom Auftritt des Teams und dem gelungenem Drumherum. “Besonders Keeper Fischer hat sensationell gehalten“, sagte Teammanager und Torwartkollege Michael Zellmer (Hannover). „Im entscheidenden Moment haben wir die Überzahlchancen ausgelassen, da waren die Spanier cleverer“, sah auchBundestrainer Hagen Stamm nur in Nuancen die entscheidenden Unterschiede, dennoch waren die DSV-Verantwortlichen nicht unzufrieden. „Wir haben wieder lange Zeit gegen ein Weltklasseteam mitgehalten.

Für die Deutschen war es beim Duell mit dem Olympiasieger von 1996 im 110. Spiel seit 1927 die 39. Niederlage, dennoch fiel die Rückkehr nach Duisburg positiv aus, wo Stamm und Niculae Firoiu immerhin einen größten Erfolge gefeiert hatten. Beide waren hier 1985 Weltcup-Sieger geworden, Stamm als Spieler, Firoiu als Bundestrainer. Stamm kehrte nun als DSV-Coach zurück, der erst kürzlich 70 Jahre alte gewordene Firoiu als Spielbeobachter des Weltschwimmverbands FINA.

Gelungener Gag: Längste deutschen Fahne? Foto:

Gelungener Gag: Längste deutschen Fahne? Foto: Duisburger Schwimmverein 98 (Homepage)

Volles Haus im Duisburger Schwimmstadion, Cheerleader beim Einlauf, Interviews am Beckenrand: Wasserball kann eine attraktive Sportart sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Zweitligist Duisburg 98 hatte einiges unternommen, um das erste Weltliga-Spiel auf deutschem Boden seit gut zwei Jahren zu einem Erfolg werden zu lassen. Allerdings gehören dazu im Wasser auch zwei gute Mannschaften, und die DSV-Auswahl tat gegen ein Team der Weltklasse trotz des fehlenden Happy Ends das Ihrige, um das erste Länderspiel in dem erst vor wenigen Jahren eröffneten Duisburger Schwimmstadion zu einem Erfolg werden lassen.

Passend zum Länderspieldebüt der neuen (und vorzeitig ausverkauften) Halle sorgte Lokalmatador Tobias Kreuzmann in der dritte Minute sogar für den „historischen“ ersten Länderspieltreffer auf der erst vor wenigen Jahren eröffneten Anlage, und bis in das Schlußviertel lag sogar ein Sieg der DSV-Auswahl gegen den Olympiasieger von 1996 in der Luft. Schlußmann Tim-Ole Fischer (Duisburg) zeigte sich glänzend aufgelegt, und gleich viermal sollten die Deutschen an diesem kurzweiligen Abend in Führung gehen. So gelang dieses auch zu fortgeschrittener Spielzeit, als Marko Stamm in der 23. Minute für das 5:4 sorgte, allerdings ging es nach einem Treffer des dreimaligen Torschützen Blai Mallarach mit einem 5:5-Unentschieden in das letzte Viertel.

Im Schlußabschnitt der hart umkämpften Partie hatten die Spieler von Bundestrainer Stamm (Berlin) erneut den Sieg gegen den WM-Dritten auf der Hand: Tobias Kreuzmann sorgte mit seinem zweiten Treffer am heutigen Tag nach exakt zwei Minuten für eine 6:5-Führung.

Allerdings zeigten sich die Spanier am Ende doch cleverer: Superstar Guillermo Molina glich mit seinem einzigen Treffer am heutigen Tage nach einer Auszeit in Überzahl zum 6:6 (28.) aus. Die Deutschen blieben dagegen eine Minute später bei einem identischen Szenario erfolglos, stattdessen folgten postwendend zwei Treffer der Iberer durch Xavi García, die damit auch beim großen Treffen der 18 Olympiateilnehmer an der Wedau am Ende den längeren Atem haben sollten.

Einziger Wermutstropfen der sehenswerten Partie an der Wedau: Mit der dritten Niederlage im vierten Spiel dürften sich die letzten Endrundenchancen der deutschen Mannschaft nun endgültig erledigt haben. Am 5. Mai geht es für die DSV-Auswahl in der neugestalteten Vorrunde der Weltliga weiter, erneut mit Heimrecht und gegen einen weiteren Gegner der absoluten Weltklasse: Hier gastiert am 5. Spieltag dann der amtierende Weltmeister und ungeschlagene Spitzenreiter Kroatien in Berlin. Am 12. Mai kommt zum Abschluß der Vorrunde dann noch einmal Russland ins Freiwasser des Esslinger Inselbades.

800 Zuschauer feierten trotzdem einen tollen Wasserballabend mit fantastischer Stimmung und überaus gelungenem Rahmenprogramm. So waren die Fans auch gar nicht traurig über die Niederlage, sondern lobten die Veranstaltung in hohen Tönen. “Einmalig! So etwas habe ich im Wasserball noch nie erlebt!”, meinte Doina Firoiu, die Frau des Delegierten Nico Firoiu, die sogar an diesem Tag ihren Geburtstag im Schwimmstadion feiern durfte.

Unter den Augen von Heiner Kamps (NORDSEE), Hannah Stockbauer, Damen-Nationaltrainer René Reimann und zahlreichen weiteren Bekannten aus Sport, Politik und Wirtschaft, feierten die deutschen und spanischen Fans ein Highlight der Extraklasse. Moderator Christian Keller unterhielt mit informativem und unterhaltsamen Vorprogramm und bereitete die zahlreichen Zuschauer – die bereits ab 17 Uhr vor der Tür standen, um sich gute Plätze zu sichern – angemessen auf das Weltligaspiel vor. (mit PM Duisburg 98)

Weltliga 2009 – 4. Spieltag, Gruppe C in Duisburg

Deutschland – Spanien 6:8 (1:1, 2:2, 2:2, 1:3)
Deutschland: Tim-Ole Fischer – Florian Naroska, Julia Real, Marko Savic, Marko Stamm 2, Marc Politze, Heiko Nossek 1, Tobias Preuss, Tobias Kreuzmann 2, Moritz Oeler 1, Andreas Schlotterbeck, Paul Schüler, Roger Kong. Trainer: Hagen Stamm.

Spanien: Iñaki Aguilar – Adrià Sanz, David Martín, Blai Mallarach 3/2, Guillermo Molina 1, Marc Minguell, Iván Gallego, Albert Español, Xavi Vallès, Ricardo Perrone 2, Iván Pérez, Xavi García 2, Dani López-Pinedo. Trainer: Rafael Aguilar

Tabellenstand Gruppe C

Kroatien    9*
Spanien     8
Deutschland 3
Rußland     1*

* Ein Spiel weniger.

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