Stamm: “Frauenmannschaft in Männerturnier verirrt“
EM, 5. Tag: Serbien – Deutschland 17:3 (4:2, 5:0, 2:0, 6:1)
Zagreb. Mit einem auf diese Weise selten erlebten Leistungseinbruch hat sich das deutsche Wasserball-Nationalteam bei der Europameisterschaft in Zagreb im abschließenden Vorrundenspiel gegen den amtierenden Weltmeister Serbien präsentiert und überdeutlich mit 3:17 verloren. Die nach der vorzeitigen Qualifikation für die K.O.-Spiele wie lethargisch wirkende Sieben von Bundestrainer Hagen Stamm (Berlin) wurde von den Serben ab der ersten Spielminute vorgeführt und jeder Fehler eiskalt bestraft.
„Heute hat sich eine Frauenmannschaft in ein Männerturnier verirrt“ sagte Bundestrainer Stamm (der dann umgehend Abbitte in Richtung des Frauenwasserballs leistete), mußte allerdings eingestehen, daß der mentale Einbruch nicht unerwartet kam. Teammanager Michael Zellmer übte sich nicht zum ersten Mal im understatement: „Das war legendär“, sagte der Hannoveraner, der unter Hinweis auf den heutigen TV-Bericht in der Sportschau (18 Uhr, ARD) dennoch wenig glücklich war, „das muß ich erst einmal der Fernsehanstalt erklären.“
Die Verantwortlichen hatten nach den Anspannungen der vergangenen Tage zwar mit einem Leistungseinbruch befürchtet, aber nicht in dieser Größenordnung. Dabei war die deutsche Mannschaft bereits nach 29 Sekunden durch einen kaltschnäuzigen Treffer Marko Stamms mit 1:0 in Führung gegangen. Moritz Oeler hatte in der torreichen Anfangsphase zudem noch einmal auf 2:3 (5.) verkürzt, doch danach war dann fast 24 Minuten lang Sendepause im Angriff. Die Deutschen wirkten vielfach unkonzentriert und leisteten sich sogar einige leichte Fehlpässe oder Fangfehler. Erst beim Stande von 2:14 traf Julian Real in Überzahl zum zwischenzeitlichen 3:14 (29.). Die von LEN-Seite ermittelte Schussquote von drei Treffern bei 19 Würfen unterschlägt zudem noch das Faktum, dass gut die Hälfte der Würfe gar nicht erst beim serbischen Torwart ankam.
Serbien wirkte dagegen hellwach und ließ die deutsche Abwehr mehrfach wie einen Hühnerhaufen aussehen. Passend zum schlechten Verlauf der Partie war für Routinier Marc Politze auch gegen Ende des zweiten Abschnitts nach drei Persönlichen Fehler das Spiel zu Ende. Angesichts eines 2:9-Rückstand beim Seitenwechsel brachte Stamm in der Halbzeitpause dann den zweiten Schlussmann Roger Kong. Der Berliner hielt im dritten Abschnitt im Duell mit Stefan Mitrovic sogar einen Strafwurf gegen eine Mannschaft, die zuletzt jeweils per Fünfmeterwerfen Weltmeister und Weltliga-Sieger geworden war, wurde im Schlußabschnitt von der Abwehr ebenfalls zunehmend alleine gelassen.
Das Endresultat übertraf sogar die ebenfalls nicht grade geringe 5:17-Niederlage der DSV-Auswahl gegen den gleichen Gegner beim EM-Turnier 2008 in Malaga (Spanien), allerdings hätte nur ein schwerlich denkbarer Sieg gegen den Titelaspiranten einen möglichen Einfluss auf das weitere Turnier gehabt. . Der Endstand der bis zum letzten Spiel äußerst spannenden und Vorrundengruppe A und damit auch der kommende DSV-Gegner, werden erst heute Abend ermittelt.
Auch der bisher überragende Keeper Alexander Tchigir fand am heutigen Tage überhaupt nicht ins Spiel und wurde zur Halbzeit durch Roger Kong ersetzt. Stamm konnte seinem Team nach dem deutlichen Spielausgang dementsprechend auch nur einen Totalausfall bescheinigen: „Man muss mit klarem Kopf ins Wasser steigen, um gegen solch einen Gegner mitspielen zu können, heute war jeder Spieler geistig komplett abwesend“, so der kritische Bundestrainer.
Die Auswirkungen der Niederlage halten sich jedoch in Grenzen, Deutschland trifft als Gruppendritter nun im nächsten Match auf den Zweitplatzierten der Gruppe A und spielt dort um den Einzug ins Halbfinale der Europameisterschaft, welches den größten Erfolg bei einer EM seit dem Gewinn der Bronzemedaille vor 15 Jahren bedeuten würde.
Teammanager Michael Zellmer: „Wir werden uns nun akribisch auf das nächste Spiel vorbereiten und dort garantiert wieder an unsere guten Leistungen der vergangenen Partien anknüpfen. Als Gegner wären Italien oder vielleicht auch Gastgeber Kroatien vor ausverkauftem Haus meine Wunschkandidaten.“
Team Deutschland mit:
Alexander Tchigir, Florian Naroska , Fabian Schroedter, Julian Real (1 Tor), Marko Stamm (1 Tor), Marc Politze m Erik Bukowski, Paul Schüler, Tobias Kreuzmann, Moritz Oeler (1 Tor) , Andreas Schlotterbeck , Sven Roeßing, Roger Kong, Trainer: Hagen Stamm/Nebojsa Novocelac.
Schiedsrichter: Buch (ESP), Stavropoulos (GRE)
Stadion: Swimming Pool Mladost Zagreb
Zuschauer: 200


















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