Spandau hofft auf echte Wiedergutmachung in Italien
LEN-Trophy, heute Abend: Leonessa Brescia – Spandau 04 Berlin
Berlin. Das Letzte soll das Beste werden – dieses Motto hat Trainer Nebojsa Novoselac für das finale Spiel des Jahres 2010 der Wasserfreunde Spandau 04 ausgegeben. Am Samstagabend treffen die Berliner in Italien im Achtelfinal-Rematch der LEN-Trophy auf Favorit Leonessa Brescia heute 20.30 Uhr. Die Chancen aufs Weiterkommen sind nach der katastrophalen 8:19-Heimniederlage vor fünf Wochen nur noch theoretischer Art. Dennoch ist gerade dieses Spiel für den ehrgeizigen 36-jährigen Trainer, der seine fünfte Saison bei Spandau 04 bestreitet und in dieser Zeit mit den Wasserfreunden viermal Meister und dreimal Pokalsieger war sowie in der Vorsaison das Halbfinale der LEN Trophy erreichte, aber sehr wichtig. Das macht er in der folgden kurzen Jahresbilanz deutlich.
Für Trainer Nebosja Novoselac, das Jahr 2010 geht für ihn nach Lage der Dinge mit einem wenig erfreulichem Ereignis zu Ende, dem internationalen Aus für Spandau Berlin. Was bedeutet das? In der Tat muss man davon ausgehen. Nach dem 8:19 sind unsere Chance aufs Weiterkommen äußerst gering. “Das war die höchste Niederlage meiner gesamten Trainerlaufbahn, sie ärgert mich heute noch. Ich hoffe, das ist bei jedem einzelnen Spieler auch so. Aber wie heißt es so schön: jedes Ende ist ein neuer Anfang. Jetzt muss eine Reaktion kommen. Jetzt, nicht irgendwann”, verdeutlicht Trainer Nebosja Novoselac.
Der Berliner Trainer hofft, dass im letzten Spiel des Jahres die beste Partie in 2010 abliefern. Das hat mit dem Weiterkommen und auch nicht nur mit dem Ergebnis zu tun. Er will sehen, dass die Mannschaft das Maximale leistet, zu dem sie im Moment in der Lage ist. Dann werde man auf jeden Fall viel, viel besser spielen als in Berlin. “Leidenschaft, Kampf, Bissigkeit sind Qualitäten, die jeder unabhängig von seinem Talent mobilisieren kann. So wie wir es in der Partie gegen Florenz getan haben, als Alexander Tchigir nach seinem Handbruch erstmals fehlte und Erik Bukowski als Feldspieler das Tor hütete. Da haben wir nach 1:6-Rückstand noch 14:12 gewonnen.”
Jetzt ist Tchigir zurück und Brescia hat im letzten Heimspiel der Seria A gegen Florenz nur ein 10:10 erreicht. Solche Quervergleiche sind zwar nur begrenzt aussagekräftig, aber natürlich: “Warum soll Spandau nicht mit der Ambition gen Süden reisen, um dort zu gewinnen? “Brescia ist keine Übermannschaft, nur waren wir leider beim 8:19 eine „Untermannschaft“. Für uns hat das Spiel eine große Bedeutung – als Wiedergutmachung und fürs Selbstvertrauen. Das Aus im Europacup ist zwar kaum abzuwenden, aber jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Wir wollen 2011 wieder deutlicher zeigen, dass mit uns zu rechnen ist”, glaubt Manager Peter Röhle.
Bei Spandau ist bisher nicht alles gelungen. Dafür gibt es einen Mix aus einer ganzen Reihe von Gründen. Nach der EM in Zagreb hatten die Nationalspieler gerade mal acht Tage Pause, dann startete schon die neue internationale Vereinssaison. Sich parallel dazu in einer zum Teil neuen Mannschaft zu finden, ist nicht einfach. Mit Savic, Mackeben, Preuß und Kong habe man vier Auswahlspieler verloren, die im Teamgefüge eine wichtige Rolle spielten. Mit der Rückkehr von Marc Politze sowie der Verpflichtung von Tamas Kuncz und Milan Petrovic, die allerdings keine Nationalspieler ihrer Länder und mithin keine Ausnahme-Wasserballer sind, ist dieses Quartett nur zum Teil ersetzt worden.
In der gleichen Zeit standen im November und Dezember auch Auswahlaufgaben an – zuviel für das Gros der Spandauer Spieler. Für Kopf, Kraft und Kondition. “Am Anfang haben sie es noch ganz gut bewältigt, dann war die Müdigkeit nicht mehr zu übersehen. Wenn ich meinem Kalender entnehme, das für ein halbes Dutzend Leute mehr als 50 Partien auf dem Programm standen, die im Grunde genommen allesamt gewonnen werden müssen, dann weiß ich, dass dass im Grunde genommen nicht möglich ist”, verdeutlicht Trainer Nebosja Novoselac.
Ist das eine Absage an hohe Ziele des Vereins – auf keinen Fall, so Röhle. Aber man werde nicht über Nacht Weltklasse. “Wir brauchen Zeit, müssen Schritt für Schritt tun.” Und Nebosja Novoselac: “Ich muss mir das selbst auch immer wieder eindringlich sagen, denn ich bin ehrgeizig und ungeduldig. Ich lebe für den Wasserball – Erfolge, gute Spiele, ein gutes Meeting mit dem Team, Fortschritte machen mich glücklich. Aus Serbien kenne ich natürlich ganz andere Möglichkeiten. Für mich ist das hier eine große Herausforderung. Deshalb habe ich auch das Angebot, als Co-Trainer für die DSV-Auswahl zu arbeiten angenommen und ich kann mir diesbezüglich durchaus ein längerfristiges Engagement vorstellen. Ich glaube, in Deutschland existiert durchaus schlummerndes Wasserball-Potenzial, das man nur wecken muss. Dabei würde ich gerne mittun.”


















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