Kein Allerweltsspiel steigt morgen in Zagreb
Champions-League, Spiel 3: Mladost Zagreb gegen Spandau 04 Berlin
Zagreb/Berlin. Das Match des 3. Spieltages der Gruppe B der Champions League am morgigen Samstag um 18 Uhr in der kroatischen Hauptstadt ist kein Allerweltsspiel, sondern ein besonderes. Zum einen aus aktuellen Gründen, denn: „Es ist eine Schlüsselpartie um den zweiten Rang in der Vierergruppe hinter Favorit Jug Dubrovnik, der den Einzug ins Viertelfinale der besten acht Vereine des Kontinents bedeuten würde“, verdeutlicht der Manager von Spandau 04 Berlin, Peter Röhle. Gelingt es den 04ern, die Viertelergebnisse zuzuspielen, wird Deutschland-Wasserball.de diese morgen im Live-Ticker online stellen.
Nach zwei der sechs Spieltage ist allein Dubrovnik mit zwei Siegen noch ohne Punktverlust, danach folgen Zagreb mit geteilter Bilanz (Sieg und Niederlage) sowie Spandau und VK Vojvodina Novi Sad mit je einem Remis und einer Niederlage, wobei die Serben die Hypothek haben, dass dies der Zwischenstand nach zwei Heimauftritten ist. Während man sie angesichts dieser Konstellation wohl als Kontrahent für Platz 2 abschreiben kann, ist Zagreb, Spandaus Dauerrivale in internationalen Gewässern seit 30 Jahren, im Wettbewerb um diesen Rang in der Favoritenposition. Wer die anstehende Begegnung gewinnt, hat dafür alle Trümpfe in der Hand. Auch in psychologischer Weise, denn bereits am 14. Dezember, 20 Uhr, sehen sich die beiden Teams zum Rückspiel in Schöneberg wieder.
Dass man das Duell zwischen dem Deutschen Meister und dem Dritten der kroatischen Liga als ein besonderes bezeichnen darf, hat viel mit der europäischen Vereinsgeschichte zu tun. Beide Klubs zählen (oder zählten) zu den besten Wasserball-Adressen des Kontinents und stehen mit ihrer Erfolgsgeschichte im Ranking ganz vorn. Sieben Mal hat Mladost den Meister-Europacup gewonnen, erstmals 1967. Zwei Mal die Trophäe der Pokalsieger, drei Mal den Supercup.
Spandau bringt es bekanntermaßen auf vier Erfolge bei den Meistern in den 80ern und zwei Supercup-Siege. In der Wasserfreunde-Hochzeit mit der “Golden Generation” von Stamm bis Röhle, von de la Pena bis Fernandez traf man dennoch nur selten aufeinander. Wenn doch, dann wurde es spektakulär. Wie im EC-Finale 1989, das damals noch mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde. Am 18. November, ein paar Tage nach dem Mauerfall und mithin auch mit Fanbesuch aus dem Osten, führte Spandau in der Heimpartie in Schöneberg zwei Minute vor Schluss mit 10:7, musste aber noch den 9:1ß-Anschluss der Gäste hinnehmen.
In der Rückpartie vor fast 5000 fanatischen Zuschauern sah es lange so aus, als gelänge es den Berlinern dennoch, den knappen Vorsprung zu verteidigen. 8:9 stand es nach regulärer Spielzeit, in der Verlängerung schaffte Hagen Stamm zunächst den Ausgleich. Dann aber schlug Zagreb-Star Dubravko Simenc noch zweimal zu, das letzte Mal eine Sekunde (!) vor Abpfiff. Damit hatte Mladost den „Pott“! Deren Trainer Antunovic danach: „Hier sind die besten Mannschaften der Welt aufeinander getroffen.“
Danach erlebten beide Teams – Spandau noch intensiver als Zagreb – in sich verändernder Wasserball-Welt schwierigere Zeiten, in denen sich die Erfolge von einst nicht halten und wiederholen ließen. Bisher gelang es den Kroaten allerdings durchaus respektabel, sich in der erweiterten europäischen Spitze zu behaupten, wo auch Spandau mittel- und langfristig wieder hin will.
2001 gewann Mladost die LEN-Trophy, im Vorjahr stand man im Final Four der Champions League und wurde am Ende Dritter. Das im Schnitt sehr junge Team mit vielen Aktiven 90er Geburtsjahrgänge ist gespickt mit Nationalspielern verschiedener Länder: Kroatien, Serbien, Mazedonien, Rumänien, Spanien.
Star der Mannschaft ist zweifellos der 29-jährige Vanja Udovicic, der sowohl bei der WM 2009, der EM und WM 2010 von der FINA zum besten Spieler gewählt wurde. Udovicic war im Juni 2010 von seinem damaligen Verein Pro Recco Genua mit dem ultimativen „Vorschlag“ konfrontiert worden, die Vertragsverlängerung mit der Annahme der italienischen Staatsbürgerschaft zu erkaufen. Er entschied sich, international weiter für sein Heimatland Serbien zu spielen.


















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